Am Freitagvormittag (asiatische Handelszeit) näherte sich Ripple (XRP) erneut der 2-Dollar-Marke. Schon am Tag zuvor hatte eine kleinere Korrektur dafür gesorgt, dass sich bei 1,95 US-Dollar eine solide Unterstützung ausbildete – ein Zeichen dafür, dass die Käuferseite allmählich die Kontrolle übernimmt. Doch nicht nur der Kursverlauf sorgt derzeit für Gesprächsstoff. Ein aktueller Bericht von Ripple in Zusammenarbeit mit der Boston Consulting Group (BCG) wirft einen umfassenden Blick auf den Stand und die Zukunft der Tokenisierung – und warum der Zeitpunkt für Anleger, besonders institutionelle, günstiger kaum sein könnte.
XRP soll zur Brücke im neuen Finanzsystem werden
In dem Bericht mit dem Titel „Approaching the Tokenisation Tipping Point“ wird deutlich: Das globale Finanzsystem arbeitet noch immer mit Strukturen, die über Jahrzehnte gewachsen sind – fragmentiert, träge und in vielen Bereichen nicht mehr zeitgemäß. Die Art, wie heute Kapital, Kunden und Märkte agieren, passt nicht mehr zur Infrastruktur, auf der viele Finanzsysteme basieren.
Hier kommt die Tokenisierung ins Spiel – also die digitale Abbildung realer Vermögenswerte auf der Blockchain. Was früher nur Kryptowährungen betraf, hat sich inzwischen auf ganz unterschiedliche Bereiche ausgeweitet: Wertpapiere, Immobilien, Fonds. Token erlauben heute Dinge wie Bruchteilsbesitz, sofortige Übertragbarkeit oder automatisierte Abwicklung – und das unter Einhaltung regulatorischer Vorgaben.
Ripple sieht XRP in diesem Zusammenhang als sogenannte „Bridge Currency“, also als verbindendes Element in einer zunehmend tokenisierten Finanzwelt. Und die Wachstumsprognosen sind beachtlich.
Tokenisierung: Der Markt könnte bis 2033 explodieren
Laut dem Ripple-BCG-Bericht wird die Tokenisierung realer Vermögenswerte von 0,6 Billionen US-Dollar im Jahr 2025 auf 18,9 Billionen US-Dollar im Jahr 2033 anwachsen. Das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von über 50 %. Die USA gelten schon heute als führend, besonders bei tokenisierten Fonds, Staatsanleihen und Sicherheiten.
Hinzu kommt Rückenwind von politischer Seite: Präsident Trump hat am Donnerstag ein Gesetz unterzeichnet, das es der US-Steuerbehörde (IRS) verbietet, Daten von dezentralen Kryptoplattformen für Steuerzwecke zu sammeln – ein deutliches Signal in Richtung Krypto-Freundlichkeit.

Was der Bericht außerdem betont: Tokenisierung ist nicht einfach ein neuer technischer Trend, sondern das Ergebnis mehrerer Entwicklungen – technologische Reife, zunehmende institutionelle Akzeptanz und regulatorische Klarheit. Diese Kombination könnte dazu führen, dass sich XRP als zentrale Lösung etabliert – vor allem für Unternehmen, die digitale Assets in ihre Geschäftsmodelle integrieren wollen.
Ripple bringt es im Bericht auf den Punkt:
„Tokenisierung verwandelt Finanzwerte von statischen Konstrukten in dynamische Software. Es ist keine Ergänzung zum bestehenden System – es ist eine Neugestaltung der Basis-Infrastruktur, auf die sich die Finanzwelt bislang verlassen hat.“
XRP-Kurs vor dem nächsten Schub?
Am Freitag pendelte der XRP-Kurs knapp unter der 2-Dollar-Marke. Der 200-Tage-Durchschnitt bei 1,95 US-Dollar bietet derzeit stabile Unterstützung – das spricht aus charttechnischer Sicht für eine gewisse Stärke. Der Relative-Stärke-Index (RSI) liegt mit 43,62 zwar noch unterhalb eines Abwärtstrends, konnte sich aber von stark überverkauften Niveaus erholen – was ebenfalls auf wachsenden Kaufdruck hindeutet.
Gelingt es XRP, sich auf Tagesschlussbasis über 2,00 US-Dollar zu stabilisieren, könnten Anschlusskäufe den Kurs bis auf 2,25 US-Dollar treiben – dort treffen 50- und 100-Tage-Durchschnitt aufeinander, was diesen Bereich aus technischer Sicht besonders interessant macht.

Der Derivatemarkt verrät, wohin die Reise gehen könnte
Ein Blick auf die Daten zeigt: In den letzten vier Stunden wurden Short-Positionen im Wert von 336.810 US-Dollar liquidiert, deutlich mehr als die Longs mit 241.800 US-Dollar. Das deutet darauf hin, dass Verkäufer (die auf fallende Kurse setzen) zunehmend unter Druck geraten. Gleichzeitig stieg das offene Interesse an XRP-Derivaten um 1,4 % auf über 3 Milliarden US-Dollar – ein Zeichen für steigende Marktaktivität und wachsendes Vertrauen.

Trotzdem ist die Lage nicht völlig frei von Gegenwind. XRP kämpft weiterhin mit einer abwärtsgerichteten Trendlinie, die vom lokalen Jahreshoch bei 3,39 US-Dollar ausgeht. Auch 50- und 100-Tage-Durchschnittslinien liegen noch darüber. Solange dieser Bereich nicht überwunden wird, bleibt eine gewisse Zurückhaltung im Markt.
Geopolitische Unsicherheiten wirken mit
Neben den technischen Faktoren spielen auch politische Entwicklungen eine Rolle. Die USA und China haben zuletzt ihre wirtschaftlichen Spannungen wieder verschärft – mit potenziellen Folgen für Kryptowährungen. Zwar wurde von US-Seite eine 90-tägige Pause bei neuen Zöllen angekündigt, doch wie es danach weitergeht, ist ungewiss. Sollte sich der Handelskonflikt verschärfen, könnte das auch auf XRP durchschlagen – etwa durch stärkere Volatilität oder verschärfte regulatorische Debatten.
Fazit: XRP steht an einem entscheidenden Punkt
Ripple scheint mit XRP gut positioniert für eine Zukunft, in der Tokenisierung eine zentrale Rolle spielt. Der Markt ist riesig, das politische Klima (zumindest in den USA) bewegt sich in eine kryptofreundliche Richtung, und die technologischen Grundlagen sind vorhanden. XRP könnte genau das Bindeglied werden, das zwischen klassischer Finanzwelt und digitaler Infrastruktur gebraucht wird.
Der aktuelle Kursbereich ist damit mehr als nur eine technische Marke. Er ist möglicherweise ein Vorbote für die Frage, ob XRP in den nächsten Jahren zu einem zentralen Baustein des digitalen Finanzsystems aufsteigen kann. Wer sich frühzeitig positioniert, könnte profitieren – vorausgesetzt, Ripple gelingt es, die aktuellen Widerstände zu durchbrechen und die Rolle als Brückenwährung weiter auszubauen.
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