Der monatelange Optimismus und die Gelassenheit der Anleger sind in den vergangenen Wochen einer steigenden Nervosität gewichen. Die Bereitschaft zu Gewinnmitnahmen ist deutlich gestiegen und die Finger sind näher an den Verkaufsknopf gerückt. Dass sich der DAX dennoch stabil präsentiert und heute Morgen auch wieder über 23.000 Punkten notiert, könnte deshalb nur eine Momentaufnahme sein.
Auf der einen Seite sind die zufriedenen Anleger, die auf das Finanzpaket gewartet hatten, und es bekamen. Sie beobachten nun die Koalitionsverhandlungen und das Zustandekommen der Regierung. Da die Gespräche mit jeder Menge Unsicherheit und dem Risiko eines Scheiterns verbunden sind, ist die Zurückhaltung entsprechend groß.
Auf der anderen Seite stehen die Anleger, die darauf hoffen, dass US-Präsident Trump sanftere Töne anschlagen wird, wenn er in der kommenden Woche das Thema Strafzölle erneut angeht. Diese Hoffnung kommt vor allem den US-Aktien zugute, da sie besonders hart unter den Auswirkungen zu leiden hätten. Hier besteht allerdings das Risiko, dass Trump zu Verhandlungszwecken doch wieder mehr Strafzölle fordern wird, wenn auch nur initial. Das könnte erneut zu Verwirrung und Turbulenzen an der Wall Street führen. Unter dem Strich besteht also auch hier Unsicherheit und ergo Zurückhaltung.
Die Konjunkturprognose für die USA war bereits vor der Wahl des neuen US-Präsidenten schwierig. Seit seinem erratischen Kurs in der Handelspolitik tastet sich die US-Notenbank nun von Treffen zu Treffen vor, um den weiteren Verlauf der Inflation besser einschätzen zu können. Mit den Strafzöllen wird diese Prognose fehleranfälliger. Gleiches gilt für Zinsentscheidungen, Unternehmensinvestitionen und damit auch sämtliche Aktienengagements. Allein diese Unsicherheit hat für sich betrachtet bereits einen lähmenden Effekt auf die US-Konjunktur. Der Wunsch der Anleger, bei nicht ganz passenden Nachrichten schnell wieder Gewinne mitzunehmen, dürfte somit noch eine Weile bestehen bleiben.
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