Die US-Notenbank Fed dürfte über die Feierlaune auf dem Börsenparkett nicht besonders erfreut sein, da die sich dadurch lockernden Finanzierungsbedingungen den Bestrebungen der sauer erkämpften straffen Geldpolitik zuwiderlaufen. Mittlerweile kann man es auch nicht mehr an einer Hand abzählen, wie oft die Börse seit Februar 2022, dem Beginn der Leitzinsanhebungen der Fed, einen optimistischeren geldpolitischen Ausblick hatte als die Notenbank selbst. Die Anleger feiern derzeit nicht nur das Ende der Zinserhöhungen, sondern bereits die erste Leitzinssenkung im Mai 2024. Die Musik auf der Börsenparty spielt auch deshalb weiter, weil niemand kommt und keine Daten gemeldet werden, um sie abzustellen. Der Anstieg in den gestern gemeldeten Erzeugerpreisen in den USA fiel nochmal um einiges schwächer aus als die Verbraucherpreise am Vortag.
Wie Reinhold Messner freut sich der Markt, endlich am (Zins-)Gipfel angelangt zu sein. Man kann allerdings immer noch nicht mit Gewissheit sagen, ob die Inflation bereits besiegt worden ist. Die warnenden Stimmen will im Moment aber niemand hören. Die Rally im Deutschen Aktienindex um acht Prozent in 13 Tagen ist ein klares Votum der Zuversicht, dass es dieses Mal funktioniert. Der Index ist mittlerweile allerdings technisch überkauft und reif für eine Abkühlung. Viele Anleger dürften nur auf einen Vorwand warten, Gewinne mitzunehmen.
Die Lösung im US-Haushaltsstreit ist keine Lösung, nur ein vertagtes Problem. Im neuen Jahr droht ein neuer Shutdown, in der Zwischenzeit ein Downgrade durch Moody's. Man kann es deutlich sehen: Sobald die Kurse an der Wall Street wie im August nach der Bonitätsabstufung durch Fitch fallen, oder im Oktober, als die zehnjährige US-Rendite über fünf Prozent sprang, werden die tiefen Gräben in Washington wie von Zauberhand ganz schnell überwunden.
Grenzen des Machbaren in der Zusammenarbeit zwischen China und den USA wurden in San Francisco deutlich, als Biden den chinesischen Präsidenten nach Abschluss der vierstündigen Gespräche erneut als Diktator bezeichnete. Man kann spüren, dass auf amerikanischer Seite auch nach den Gesprächen ein tiefes Misstrauen besteht gegenüber dem, was China einerseits sagt und dem, was es dann in Wirklichkeit tun wird. Die Freundschaft zu Russland wurde offenbar mit keinem Wort erwähnt, und damit hat man es in vier Stunden geschafft, über den offensichtlichen Elefanten im Raum nicht zu sprechen. Ein Kunststück. Es war der Versuch zweier Nationen, den Gesprächsfaden nicht vollends abreißen zu lassen. Ob das gelungen ist, bleibt abzuwarten.
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